Level 0 Geldanlage- & ETF-Grundlagen · Teil 16/16
Gold und Inflation: wie verlässlich der Inflationsschutz ist
Gold gilt oft als Inflationsschutz. Die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild: Über sehr lange Zeiträume hält Gold grob die Kaufkraft. Über viele Jahre kann es der Inflation aber deutlich hinterherlaufen oder aus ganz anderen Gründen davoneilen.
Der Live-Kurs steht bei Gold , dazu Silber und Platin . Notiert ist dort der Front-Month-Future an der COMEX in US-Dollar je Feinunze.
Die lange Frist und die Jahrzehnte dazwischen
Der Ruf stammt aus den 1970er-Jahren. Nachdem die USA 1971 die Einlösbarkeit des Dollars in Gold beendeten, stieg der Preis kräftig, während die Inflation hoch lief. Das entsprach genau dem, was das Etikett verspricht.
Was danach kam, wird selten erzählt. Im Januar 1980 erreichte Gold seinen Höchststand und kam erst 2008 nominal wieder dorthin. In diesen fast drei Jahrzehnten verlor es Jahr für Jahr Kaufkraft, während die Verbraucherpreise weiter stiegen. „Hält langfristig den Wert" kann also einen Zeitraum meinen, der länger ist als das Anlegerleben der meisten Menschen.
Was den Preis bewegt
- Realzinsen. Gold zahlt keine Zinsen. Steigen die inflationsbereinigten Renditen von Anleihen, wird das Halten einer ertragslosen Anlage teurer, fallen sie, wird es günstiger. Die Reihen dazu stehen bei Anleiherenditen und US-Zinsen .
- Inflationserwartungen, weniger die Inflationszahl des Vormonats; siehe Inflation .
- Der Dollar. Der Preis notiert in US-Dollar, ein schwächerer Dollar allein hebt ihn also.
- Notenbank- und Krisennachfrage, die alle anderen Einflüsse über Jahre überlagern kann.
Im Euroraum: zwei Preise in einem
Wer in Euro rechnet, trägt zwei Risiken zugleich: das Metall und den US-Dollar. Steigt Gold um 10 % in Dollar, während der Dollar 10 % zum Euro verliert, bleibt in Euro ungefähr nichts übrig. Der Kurs von EUR/USD gehört deshalb zur Rechnung dazu.
Was Gold leistet und was nicht
- Leistet: einen Wertspeicher, der sich in manchen Krisen unabhängig von Aktien bewegt.
- Leistet nicht: laufende Erträge; Gold zahlt weder Dividende noch Zins.
- Leistet nicht: eine verlässliche Kopplung an die Inflation über die Zeiträume, für die Anleger üblicherweise planen.
Selbst nachprüfen
- Im Vergleich lässt sich Gold neben Aktien, Anleihen oder Bitcoin stellen.
- Die Korrelationen zeigen, wie eng sich Gold tatsächlich mit anderen Märkten bewegt.
- Der Inflations-Rechner zeigt den Kaufkraftverlust über die Zeit, der Realrendite-Rechner rechnet eine nominale Rendite in eine reale um.
In Portfolios dient Gold meist als kleine Beimischung zur Streuung; als Renditequelle hat es über lange Phasen enttäuscht.
Nur Information, keine Anlageberatung.