Studie · Sachwerte · Stand 04.09.2026

Ist der Markt für Pokémon-Karten eine Blase? 4.159 Verkäufe geben Antwort

Ist der Markt für Pokémon-Karten eine Blase? 4.159 Verkäufe geben Antwort

Zwischen März 2022 und August 2026 hat sich der Preis einer PSA-10-Karte vervielfacht. Um wie viel, hängt vollständig davon ab, wie man zählt – und der Unterschied zwischen beiden Antworten ist das Nützlichste an dieser Studie.

  • ×5,4dieselben Karten, Matched-Model-Index, 03/2022 – 08/2026
  • ×8,9roher Median aller Verkäufe im selben Zeitraum
  • 47 %der Wiederverkäufe in Q2 2026 brachten mehr als das Doppelte
  • 43 %der Wiederverkäufe in Q3 2026 lagen unter dem Vorpreis

Zwei Antworten auf eine Frage

Man nehme jede Pokémon-Karte unseres Katalogs, jeden tatsächlich bezahlten Auktionspreis für ein Exemplar in der Stufe PSA 10, und stelle eine schlichte Frage: Um wie viel teurer sind diese Karten zwischen März 2022 und August 2026 geworden?

Die erste Antwort ist leicht zu bekommen und falsch. Sortiert man alle 4.159 Verkäufe nach Quartalen und nimmt je Quartal den Median, läuft die Reihe von 528 Dollar auf 4.680 – Faktor 8,9. Es ist die Zahl, die ein Screenshot vom Marktplatz liefern würde, und sie sagt weniger über Preise aus als darüber, welche Karten zufällig unter den Hammer kamen.

Die zweite Antwort zählt ausschließlich Preisänderungen derselben Karte zwischen zwei ihrer eigenen Verkäufe. Damit fällt die Frage nach dem Angebot weg: Was sich zwischen einem Verkauf und dem nächsten ändert, ist der Markt und nicht die Auswahl. Auf dieser Grundlage steigt der Index von 100 auf 538, Faktor 5,4.

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Dieselben 4.159 Verkäufe, zweimal gezählt. Der Abstand zwischen den Linien ist Zusammensetzung, nicht Preis.

Beide Linien beschreiben denselben Markt und weichen um den Faktor 1,7 voneinander ab. Rund ein Drittel des scheinbaren Booms besteht schlicht darin, dass in späteren Quartalen teurere Karten angeboten wurden als in frühen.

Zu trauen ist der zweiten Linie, und sie ist zweimal geprüft. Ein unabhängig gerechnetes, gleichgewichtetes Mittel der Preisänderung je Karte landet bei 450 statt 538 Indexpunkten – dieselbe Größenordnung aus einer völlig anderen Rechnung. Lässt man die 42 meistgehandelten Karten weg, die das Verfahren automatisch stärker gewichtet, steht der Index bei 548. Keine der beiden Kontrollen verschiebt das Bild.

Wie der Verlauf tatsächlich aussieht

Auf den Matched-Model-Index reduziert, zerfallen die viereinhalb Jahre in zwei völlig verschiedene Abschnitte.

In den ersten drei geschah nichts. Der Index stand im März 2022 bei 100 und im Dezember 2024 bei 94 – drei Jahre, in denen bewertete Karten an Wert verloren, mit einem Tief von 80 Anfang 2024. Wer 2022 kaufte und 2024 verkaufte, machte auf die durchschnittliche Karte Verlust.

Alles, wofür dieser Markt heute bekannt ist, passierte in den sechs Quartalen danach. Von 94 im Dezember 2024 ging es auf 116, dann 153, 185, 265, im März 2026 auf 456 und Ende Juni auf 551. Das sind 486 % in achtzehn Monaten – in einem Markt, der die drei Jahre davor auf der Stelle getreten war.

Im unvollständigen Quartal danach rutscht der Index auf 538.

Welche Blasenmerkmale die Daten erfüllen

„Blase" ist ein Wort, das für jeden schnell steigenden Preis herhalten muss. Als Checkliste ist es brauchbarer, und drei ihrer Einträge lassen sich direkt aus Wiederverkaufspaaren messen.

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Je Quartal: der mittlere Gewinn einer Karte zwischen zwei ihrer eigenen Verkäufe, und der Anteil der Wiederverkäufe unter dem Vorpreis.

Beschleunigung. Der mittlere Wiederverkaufsgewinn steigt von 3,9 % im vierten Quartal 2024 auf 33 % im ersten Quartal 2025, dann 37 %, 42 %, 63 % und im ersten Quartal 2026 auf 96 %. Steigende Preise sind gewöhnlich. Von Quartal zu Quartal steigende Steigerungsraten sind das Muster eines Marktes, der sich von sich selbst ernährt.

Streuung. Die Standardabweichung der Wiederverkaufsrenditen weitet sich von 0,34 Anfang 2025 auf 0,73 im zweiten Quartal 2026. Die Preise für identische, identisch bewertete Objekte liefen also immer weiter auseinander. In einem Markt mit einer festen Vorstellung davon, was etwas wert ist, verdoppelt sich diese Zahl nicht.

Breite der Extreme. Der Anteil der Wiederverkäufe, die mehr als das Doppelte des Vorpreises brachten, klettert von 6,7 % Ende 2024 auf 47,1 % im zweiten Quartal 2026. Auf dem Höhepunkt verdoppelte sich jeder zweite Wiederverkauf.

Das vierte Merkmal trennt den Boom von der Blase und lässt sich erst im Nachhinein beobachten: ob der Anstieg von neuem Geld lebt statt vom Gebrauch. Das steht nicht in unseren Daten, und diese Studie behauptet nicht, es zu klären.

Das teure Ende lief am schnellsten

Ein klassisches Merkmal spekulativer Phasen ist, dass die teuersten Objekte stärker steigen als die günstigen – weil es beim Kauf um das Objekt als Anlage geht und nicht als Sache, die man haben will. Prüfbar ist das, indem man die Karten nach dem Preis ihres ersten Belegs in drei Gruppen teilt – nicht nach dem heutigen Preis, sonst bestimmte das Ergebnis die Einteilung – und für jede Gruppe einen eigenen Index rechnet.

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Drei getrennte Matched-Model-Indizes: Karten, die günstig, mittel und teuer starteten.

Das günstige Drittel, Karten zwischen 35 und 420 Dollar beim ersten Beleg, erreicht 388. Das mittlere Drittel, 432 bis 1.140 Dollar, erreicht 602. Das teure Drittel oberhalb von 1.170 Dollar erreicht 645. Der Abstand ist real, aber maßvoll: Teure Karten liefen den günstigen um rund zwei Drittel davon, nicht um Größenordnungen. Streng gelesen ist der Boom breit und nicht auf Trophäenkarten konzentriert – ein Argument gegen die schärfste Lesart der Blasenthese.

Wie sich das neben allem anderen ausnimmt

Ein Anstieg auf das Fünffache sagt ohne Maßstab wenig. Jede Zeile unten vergleicht den Kartenindex mit einer anderen Anlage über exakt dasselbe Fenster – wichtig, weil unsere Reihen nicht alle 2022 beginnen.

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Rendite pro Jahr, Karten gegen die jeweilige Vergleichsanlage über exakt denselben Zeitraum.
AnlageZeitraumAnlage p. a.Karten p. a.
S&P 50003/2022 – 08/2026+12,6 %+46,3 %
Gold01/2023 – 08/2026+27,9 %+63,1 %
Bitcoin07/2024 – 08/2026+15,4 %+143,1 %
US-Wohnimmobilien04/2022 – 06/2026+2,7 %+45,0 %

Seit Juli 2024 warfen Karten 143 % pro Jahr ab, während Bitcoin – die Anlage, die sonst als Maßstab für Spekulation herhält – auf 15 % kam. In diesen Daten gibt es kein Fenster, in dem bewertete Karten die ruhigere Wahl gewesen wären.

Was das letzte Quartal zeigt und was nicht

Der jüngste Indexstand liegt unter dem vorigen: 538 gegen 551. Im selben Quartal bricht der mittlere Wiederverkaufsgewinn von 91 % auf 2,3 % ein, und der Anteil der Wiederverkäufe unter dem Vorpreis springt von 14,6 % auf 42,8 % – der höchste Wert seit 2024, als der Markt fiel.

Das ist in den vorliegenden Daten ein klarer Richtungswechsel. Es ist zugleich ein Quartal, das noch nicht zu Ende ist: Es endet mit dem letzten Verkauf am 28. August statt am 30. September und ruht auf 194 Wiederverkaufspaaren. Ein Quartal dieser Größe genügt, um zu sehen, dass die Beschleunigung aufgehört hat. Es genügt nicht, um das Hoch auszurufen – und wer schnelle Märkte kennt, weiß, dass Pause und Umkehr eine Weile lang gleich aussehen.

Die ehrliche Zusammenfassung lautet deshalb so: Die Preise bewerteter Karten haben sich in viereinhalb Jahren verfünffacht, wobei die gesamte Bewegung in die letzten sechs Quartale fällt. Drei von vier messbaren Blasenmerkmalen sind klar erfüllt: Beschleunigung, wachsende Streuung und ein extremer Anteil an Verdopplungen. Der Anstieg ist breit und nicht auf Spitzenstücke beschränkt. Und im jüngsten, unvollständigen Quartal drehen alle drei Merkmale gleichzeitig.

Ob das eine Blase ist, entscheidet sich daran, was als Nächstes passiert, und das kann kein Datensatz liefern. Was die Daten sagen: Ein Markt, in dem sich fast jeder zweite Wiederverkauf verdoppelt und in dem ein Drittel des schlagzeilentauglichen Anstiegs ein Zusammensetzungseffekt ist, ist kein Markt, in dem die Zahl auf einem Screenshot bedeutet, was sie zu bedeuten scheint.

Daten und Methode

Datenbasis
4.159 bezahlte Auktionspreise zu 420 Karten, alle in der Bewertungsstufe PSA 10, alle in USD, vom 28.02.2022 bis 28.08.2026. Die Preise enthalten das Käuferaufgeld.
Verfahren
Matched-Model-Index nach Bailey/Muth/Nourse — dasselbe Verfahren, das hinter Case-Shiller steht, hier auf 2.165 Wiederverkaufspaare aus 420 Karten über 19 Quartale angewandt. Ausgewertet wird nur, wie sich der Preis DERSELBEN Karte zwischen zwei Verkäufen ändert; die schwächste Periode trägt 40 Paare.
Gegenprobe
Ein unabhängig gerechnetes, gleichgewichtetes Mittel der Preisänderung je Karte kommt auf 450 statt 538 Indexpunkte — dieselbe Größenordnung. Der rohe Quartalsmedian steht bei 886 und überzeichnet damit deutlich. Ohne die 42 meistgehandelten Karten bleibt der Index bei 548.
  • In den Index gehen nur Karten ein, die mindestens zweimal verkauft wurden, und nur Paare mit mindestens 30 Tagen Abstand, in verschiedenen Quartalen und mit einem Preisverhältnis unter 20. Diese Filter stammen aus dem Modul, mit dem die Seite ihre Sachwerte-Kurven baut – Studie und Sachwerte-Seiten zeigen deshalb denselben Index.
  • Karten ohne Wiederverkauf tragen nichts bei, häufig gehandelte Karten wiegen schwerer. Ohne die 42 meistgehandelten Karten steht der Index bei 548 statt 538, er hängt also nicht an ihnen.
  • Jeder Preis ist ein Zuschlag einschließlich Käuferaufgeld, entnommen den Lot-Daten des Auktionsarchivs selbst. Verkäuferprovision, Grading, Versand, Versicherung und Lagerung stecken nicht darin.
  • Alle 4.159 Belege stammen aus einem einzigen Auktionsarchiv. Der Index misst damit einen Marktplatz und nicht den ganzen Markt; Privatverkäufe, Händlerbestände und Festpreisangebote bleiben unsichtbar. Zog dieser Ort im Lauf der Zeit ein anderes Publikum an, bewegt sich das Indexniveau mit – ein weiterer Grund, warum die um Zusammensetzung bereinigte Linie mehr zählt als die rohe.
  • Das letzte Quartal ist unvollständig: Es endet mit dem jüngsten Verkauf am 28. August 2026, nicht am 30. September. Seine 194 Wiederverkaufspaare reichen für eine Richtung, nicht für die Ausrufung eines Wendepunkts.
  • Die Bewertungsstufe ist mit PSA 10 konstant gehalten. Zwei PSA-10-Exemplare derselben Karte sind nicht dasselbe Objekt, aber das Grading macht sie austauschbar – genau diese Annahme braucht das Verfahren.

Alle Werte stammen aus unserer eigenen Kursdatenbank und werden von einem Skript im Repository erzeugt. Ein erneuter Lauf mit demselben Stichtag liefert dieselben Zahlen. Keine Anlageberatung.