Studie · Vermögen · Stand 04.09.2026
Von der Rendite leben: Was dafür wirklich nötig ist

Von den Erträgen zu leben gilt als Frage des Vermögens. Tatsächlich ist es eine Frage einer einzigen Zahl, die sich vorher nicht beobachten lässt: der realen Rendite nach Inflation über die Jahrzehnte, die man verbringen will. Alles andere ist Arithmetik – und die verzeiht nichts.
- 1,2 Mio. €nötig für 3.000 € im Monat, dauerhaft, bei 3 % Realrendite
- 3,6 Mio. €dieselben 3.000 €, wenn die Realrendite nur 1 % beträgt
- 0,9 %reale Rendite von US-Wohnimmobilien über 39 Jahre
- 0 %Restkapital, wenn dieselben Renditen mit den schlechten Monaten beginnen
Die einzige Zahl, auf die es ankommt
Fragt man, welches Kapital nötig ist, um von den Erträgen zu leben, ist die Antwort eine einzige Division: der Jahresbetrag, geteilt durch die reale Rendite, mit der man rechnet. Alles Schwierige an der Frage versteckt sich in der zweiten Hälfte dieses Satzes.
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Für 3.000 € im Monat – 36.000 € im Jahr – liegt das dauerhaft nötige Kapital bei 1,2 Mio. € bei 3 % Realrendite. Bei 4 % sinkt es auf 900.000 €. Bei 2 % steigt es auf 1,8 Mio. € und bei 1 % auf 3,6 Mio. €.
Erlaubt man den Kapitalverzehr, ändert sich das Bild vollständig – und für die meisten ist das der realistischere Plan. Über 30 Jahre brauchen dieselben 3.000 € im Monat 705.600 € bei 3 % und 929.100 € bei 1 %. Über 40 Jahre sind es 832.100 € beziehungsweise 1,18 Mio. €.
Der Abstand zwischen diesen Zahlen ist das ganze Problem. Ein einziger Prozentpunkt unterstellter Realrendite verschiebt den Bedarf um ein Vielfaches dessen, was Sparsamkeit je ausgleichen könnte. Womit sich die naheliegende Frage stellt: Welche Realrendite ist überhaupt vertretbar?
Wie eine reale Rendite in unseren Daten aussieht
Nominale Renditen lassen sich leicht zitieren und sind für diesen Zweck fast wertlos, denn eine Entnahme muss mit den Preisen mithalten. Entscheidend ist, was nach Inflation übrig bleibt – und das ist erheblich weniger als die Schlagzeile.
| Anlage | Fenster | nominal p. a. | real p. a. |
|---|---|---|---|
| S&P 500 (Kurs, ohne Dividenden) | 9,4 Jahre | 13,4 % | 9,7 % |
| Gold | 3,7 Jahre | 27,3 % | 23,1 % |
| US-Wohnimmobilien | 39,4 Jahre | 4,3 % | 0,9 % |
| Deutsche Tagesgeldeinlagen | 9,3 Jahre | 0,2 % | −2,9 % |
Zwei dieser Zeilen sind verführerisch, eine ist lehrreich. Die Aktien- und Goldzahlen stammen aus kurzen, außergewöhnlichen Fenstern: neun Jahre, die einen der stärksten Bullenmärkte der Geschichte enthielten, und keine vier Jahre Goldboom. Einen vierzigjährigen Ruhestand auf 9,7 % Realrendite zu planen, weil die letzten neun Jahre sie hergaben, ist derselbe Denkfehler wie eine Planung auf ein Lotterielos, dessen Ziehung schon vorbei ist.
Bei der Immobilienzeile lohnt sich das Verweilen. Sie umfasst 39 Jahre, von 1987 bis 2026, und ist die längste zusammenhängende Reihe, die wir führen. In dieser Zeit warfen US-Wohnimmobilien nominal 4,3 % pro Jahr ab und real 0,9 % pro Jahr. So sieht es aus, wenn ein langes Fenster auf eine Rendite trifft, die jeder für verlässlich hält.
Beim Tagesgeld ist es schlimmer, als es aussieht: 1,76 % in 111 Monaten sind 0,19 % pro Jahr, während die deutschen Verbraucherpreise im selben Zeitraum um 3,16 % pro Jahr stiegen. Real sind das −2,9 % pro Jahr – rund ein Viertel der Kaufkraft, verloren ohne einen einzigen schlechten Börsentag.
Die Reihenfolge entscheidet so viel wie die Höhe
Hier kann die Studie exakt sein, weil keine Annahme nötig ist. Man nehme unsere 114 Monatsrenditen, entnehme 4 % im Jahr, inflationsangepasst, und lasse dieselben Renditen in verschiedener Reihenfolge eintreffen.
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In der tatsächlichen Reihenfolge endet das Kapital bei 240 % des Anfangswerts. Rückwärts bei 250 %. Mit den besten Monaten zuerst bei 304 %. Mit den schlechtesten zuerst bei null: Das Depot ist aufgebraucht, bevor die guten Monate kommen.
Verändert wurde nichts außer der Abfolge. Dieselben Renditen, dieselbe Entnahme, dieselbe Dauer – und das Ergebnis reicht von vollständiger Erschöpfung bis zur Verdreifachung. Zufällig gemischte Reihenfolgen landen in neun von zehn Fällen zwischen 228 % und 259 %, was zeigt, wie unwahrscheinlich der schlechteste Fall ist – und wie wenig das demjenigen hilft, den er trifft.
Deshalb ist eine Durchschnittsrendite die falsche Eingangsgröße für einen Entnahmeplan. Ein Durchschnitt beschreibt den ganzen Pfad; ein Ruheständler durchlebt einen bestimmten, und dessen frühe Jahre wiegen unverhältnismäßig schwer.
Wo diese Studie aufhören muss
Der naheliegende nächste Schritt wäre eine Pleitequote: Welcher Anteil der Ruhestände geht bei 4 % Entnahme das Geld aus? Wir können sie aus eigenen Daten rechnen – und das Ergebnis zeigt, warum man ihr nicht glauben sollte.
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Zieht man Zwölfmonatsblöcke aus unseren 114 Monatsrenditen, ergibt sich eine Pleitequote von 0,3 % bei 4 %, 1,1 % bei 5 % und 4,9 % bei 6 %. Das mittlere Depot steht nach 30 Jahren beim rund 25-Fachen seines Startwerts.
Diese Zahlen sind rechnerisch korrekt und praktisch wertlos, und der Grund steht im Abschnitt darüber: Die Stichprobe, aus der sie gezogen werden, sind neun Jahre eines der stärksten Aktienmärkte der Geschichte, mit 9,7 % real pro Jahr. Ein Bootstrap kann nur die Welt neu mischen, die man ihm gegeben hat. Unserer hat nie ein verlorenes Jahrzehnt gesehen, also kann er auch keines erzeugen.
Der ehrliche Schluss ist deshalb keine Pleitequote, sondern eine Leseregel: Jede Entnahmestudie ist zuerst eine Aussage über ihren Stichprobenzeitraum und erst danach eine über Entnahmen. Unsere würde 5 % rechtfertigen. Eine Stichprobe von 1966 bis 1982 oder aus Japan nach 1990 täte das nicht – und beide haben wir nicht.
Was die Daten hergeben
Drei Aussagen überstehen jeden Vorbehalt dieser Studie.
Der Bedarf ist Arithmetik, und er ist steiler, als er wirkt: 1,2 Mio. € für 3.000 € im Monat bei 3 % Realrendite, 3,6 Mio. € bei 1 %. Welche Zahl man auch glaubt – die Empfindlichkeit gegenüber dieser Annahme ist größer als jeder plausible Unterschied in der Sparquote.
Lange Fenster liefern kleine reale Renditen. Die einzige Reihe über mehrere Jahrzehnte, die wir führen, brachte 0,9 % real über 39 Jahre, gegenüber 9,7 % real für Aktien über neun. Ein Plan auf Basis der Neunjahreszahl und einer auf Basis der 39-Jahres-Zahl unterscheiden sich im nötigen Kapital um etwa das Dreifache.
Und die Reihenfolge wiegt so schwer wie die Höhe. Dieselben Renditen, anders sortiert, ergaben alles zwischen verdreifachtem und leerem Depot. Dieses Risiko lässt sich nicht durch bessere Anlagen wegstreuen; es sinkt durch einen Puffer, der es erlaubt, in schlechten Jahren nicht verkaufen zu müssen – was am Ende nichts anderes heißt, als dass das nötige Kapital höher liegt, als die Division vermuten lässt.
Daten und Methode
- Datenbasis
- es.f · 03.04.2017 bis 04.09.2026 · 0 Handelstage
- Die Aktienzahlen stammen aus der Front-Month-Kette des S&P 500, 3. April 2017 bis 4. September 2026 – eine Kursreihe ohne Dividenden, in Dollar. Dollarrenditen sind mit der US-Verbraucherpreisreihe unserer eigenen Makrodaten bereinigt (3,38 % pro Jahr), der deutsche Sparzins mit dem deutschen HVPI (3,16 % pro Jahr). Beides zu mischen hieße, eine Rendite in der einen Währung an der Inflation der anderen zu messen.
- Die Inflation ist das Mittel der Vorjahresraten über den Zeitraum. Verkettet man stattdessen die Jahresraten, ergeben sich 3,45 % und eine reale Aktienrendite von 9,7 statt 9,8 %. Der Unterschied liegt unterhalb der dritten Stelle von allem, was hier steht – beide Werte stehen da, damit niemand diese Stelle für belastbar hält.
- Die Kapitaltabellen sind exakte Arithmetik, keine Simulation: Eine ewige Entnahme braucht den Jahresbetrag geteilt durch die reale Rendite, eine über 30 oder 40 Jahre den entsprechenden Rentenbarwertfaktor.
- Die Pleitequoten stammen aus einem Bootstrap unserer eigenen 114 Monatsrenditen, gezogen in Zwölfmonatsblöcken, damit gute und schlechte Jahre zusammenbleiben, mit Entnahmen, die um die gemessene Inflation steigen. Sie sind mit dem Vorbehalt des letzten Abschnitts zu lesen: Diese Stichprobe kennt kein verlorenes Jahrzehnt.
- Der Reihenfolgetest ist überhaupt keine Simulation. Er verwendet dieselben 114 Monatsrenditen in anderer Abfolge – deshalb ist er die verlässlichste Zahl der Studie.
- Steuern, Produktkosten und Währungseffekte bleiben außen vor. Wer als Euro-Anleger einen Dollar-Index hält, trägt ein Wechselkursrisiko, das diese Studie nicht abbildet.
Alle Werte stammen aus unserer eigenen Kursdatenbank und werden von einem Skript im Repository erzeugt. Ein erneuter Lauf mit demselben Stichtag liefert dieselben Zahlen. Keine Anlageberatung.