Level 1 Charts lesen · Teil 5/7
Volumen: die Zweitmeinung zum Kurs
Der Kurs sagt, wohin es ging. Das Volumen sagt, wie viele daran beteiligt waren. Zusammen sind beide deutlich aussagekräftiger als der Kurs allein – vorausgesetzt, man weiß, was das gemessene Volumen überhaupt umfasst.
Volumen bei Ausbrüchen

Die verlässlichste Anwendung ist die Bestätigung eines Ausbruchs. Verlässt der Kurs eine Spanne bei deutlich erhöhtem Volumen, tragen viele Marktteilnehmer die Bewegung. Geschieht dasselbe bei durchschnittlichem oder niedrigem Volumen, ist die Bewegung dünn. Sie kann trotzdem weiterlaufen, steht aber auf schwächerem Fundament.
Wichtig ist der Bezug: “Hoch” heißt hoch im Vergleich zu den letzten zwanzig Perioden desselben Instruments. Absolute Volumenzahlen lassen sich zwischen Instrumenten nicht vergleichen.
Typische Muster
- Steigende Kurse, steigendes Volumen: Die Bewegung wird breit getragen.
- Steigende Kurse, fallendes Volumen: Der Anstieg verliert an Beteiligung. Kein Verkaufssignal, aber ein Hinweis darauf, dass die Bewegung schmaler wird.
- Volumenspitze nach langem Trend: häufig eine Erschöpfung oder Kapitulation, also der Punkt, an dem die letzten Teilnehmer aufgeben. Sicher erkennen lässt sie sich erst im Rückblick.
- Volumenspitze mit langem Docht: Ein Kursbereich wurde bei hoher Beteiligung getestet und abgelehnt. Das ist die aussagekräftigste Kombination im ganzen Kapitel.
Wo Volumen nicht funktioniert
Volumen ist nur dort eine belastbare Größe, wo es zentral erfasst wird. Das ist längst nicht überall der Fall:
- Devisenmarkt. Es gibt keine zentrale Börse. Was Plattformen als Volumen anzeigen, ist das Volumen des jeweiligen Anbieters oder eine Tick-Zählung – ein Ausschnitt unbekannter Größe, kein Marktvolumen.
- Fragmentierte Aktienmärkte. Ein Teil des Handels läuft über alternative Handelsplätze. Das Volumen einer einzelnen Börse zeigt deshalb nicht den Gesamtmarkt.
- Krypto. Das Volumen einer Börse ist real, aber jede Börse zählt für sich, und die Qualität der Meldungen schwankt erheblich.
Wo das Volumen unvollständig ist, bleibt eine Ersatzgröße: die Spanne der Kerze. Große Spannen entstehen bei hoher Aktivität, kleine bei geringer – ein gröberes, dafür überall verfügbares Maß. Genau darauf beruht die Average True Range .
Volumen bei ETFs
Ein Sonderfall mit praktischer Bedeutung: Bei einem ETF ist niedriges Handelsvolumen kein Warnsignal für den Fonds. Sein Preis ergibt sich aus dem Wert der enthaltenen Wertpapiere, und autorisierte Teilnehmer können jederzeit neue Anteile schaffen. Niedriges Volumen bedeutet vor allem eine größere Spanne zwischen Geld- und Briefkurs – eine Kostenfrage beim Kauf, kein Urteil über das Produkt.
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Damit sind die Bausteine der Chartlektüre beisammen. Der nächste Artikel behandelt die Rechnung, die vor jedem Muster kommt: wie viel eine einzelne Position kosten darf.