Level 0 Geldanlage- & ETF-Grundlagen · Teil 11/16

Branchen-ETFs: eine einzelne Branche im Fonds

Ein Branchen-ETF hält nur Unternehmen einer Industrie statt des ganzen Markts. Chancen und Risiken dieser Branche wirken damit ungefiltert auf den Fonds.

Balken der Sektoranteile im MSCI World, daneben ein einzelner Balken für einen Branchen-ETF mit 100 Prozent in einem Sektor
Links die Sektoranteile laut Positionsliste eines MSCI-World-ETFs (iShares Core MSCI World, Stichtag 15.09.2026): (1) IT 29,9 %, (2) Finanzen 16,5 %, (3) Industrie 10,9 %, (4) Gesundheit 9,2 %, (5) zyklischer Konsum 8,6 %, (6) Kommunikation 8,4 %, danach die übrigen fünf Sektoren zusammen 16,4 %. Rechts (7) ein Branchen-ETF: 100 % in einem einzigen Sektor.

Ein Beispiel auf Alysly sind Basiskonsumgüter (Hersteller und Händler von Alltagsgütern):

Einordnung

  • In Portfolios dienen Branchen-ETFs meist als Beimischung neben einem breiten Kern, selten als ganzes Portfolio.
  • Die Konzentration auf eine Branche führt oft zu deutlich stärkeren Schwankungen als bei einem Welt-ETF.
  • Große Branchenwerte stecken meist schon im breiten Index; wie stark sich zwei Fonds überschneiden, zeigt der ETF-Vergleich.

Wie Branchen abgegrenzt werden

Die meisten Branchen-ETFs folgen dem Global Industry Classification Standard (GICS) von MSCI und S&P Dow Jones Indices. Er teilt Unternehmen in elf Sektoren ein, von Informationstechnologie über Gesundheit und Finanzen bis zu Versorgern und Immobilien. Jedes Unternehmen gehört genau einem Sektor an. Die Zuordnung kann sich ändern: 2018 wechselten etwa Alphabet und Meta (damals Facebook) aus der Informationstechnologie in den neuen Sektor Kommunikationsdienste.

Warum Branchenindizes oft gekappt sind

In manchen Sektoren stellen wenige Unternehmen den Großteil des Börsenwerts. Für europäische Publikumsfonds (UCITS) gelten aber Streuungsregeln. Ein Indexfonds darf in der Regel höchstens 20 % in einem einzelnen Emittenten halten, in Ausnahmefällen 35 %. Branchen-ETFs bilden deshalb häufig eine gekappte Indexvariante ab, in der die Gewichte der größten Titel begrenzt sind. Der Fonds sieht dann anders aus als der ungekappte Sektor, den Indexanbieter in ihren Grafiken zeigen.

Zyklisch und defensiv

Branchen reagieren unterschiedlich auf die Konjunktur. Als zyklisch gelten etwa Industrie, Grundstoffe und zyklischer Konsum, deren Umsätze mit der Wirtschaft steigen und fallen. Als defensiv gelten Basiskonsumgüter, Gesundheit und Versorger, deren Nachfrage in Abschwüngen weniger schwankt. Wie sich die Sektoren der US-Börse zusammensetzen, zeigen die Sektorseiten.


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