Ist Bitcoin zu einer normalen Depotposition geworden?

Ist Bitcoin zu einer normalen Depotposition geworden?

Foto: RDNE Stock project / Pexels

Über Bitcoin heißt es oft, er werde erwachsen: weniger wild, institutioneller und näher an einer normalen Depotposition. Doch was bedeutet „normal“ eigentlich? Weniger Schwankung, eine überschaubare Beziehung zu anderen Anlagen und Rückschläge, die nicht das gesamte Risiko eines Depots bestimmen. All das lässt sich messen. Unsere Tagesdaten zeigen, dass Bitcoin etwas ruhiger geworden ist, sich aber weiterhin deutlich von einer typischen Aktienposition unterscheidet.

Kernergebnis, Stand 04.09.2026: 45,6 % (annualisierte Schwankung von Bitcoin, 07/2024 – 09/2026).

  • 45,6 %annualisierte Schwankung von Bitcoin, 07/2024 – 09/2026
  • 0,42Korrelation mit dem S&P 500, gegenüber 0,14 mit Gold
  • −53 %größter Rückgang, gegenüber −19 % beim S&P 500
  • 7,8 %der 103 durchgängig erfassten Coins entwickelten sich besser als Bitcoin

Was müsste „normal“ eigentlich bedeuten?

Eine Anlage als „normal“ zu bezeichnen, ist weniger eine Frage des Gefühls als eine Reihe messbarer Eigenschaften.

Eine normale Depotposition sollte nicht dreimal so stark schwanken wie der Aktienmarkt . Sie sollte nicht die Hälfte ihres Werts verlieren, während Aktien ein Fünftel verlieren. Und wenn sie ein Depot breiter aufstellen soll, sollte sie sich nicht einfach genauso bewegen wie die Anlagen, die bereits darin liegen.

Das Fenster dieser Studie beginnt am 11. Juli 2024 und umfasst damit etwas mehr als zwei Jahre. In diesem Zeitraum stieg Bitcoin um 38,9 %, entsprechend 16,5 % pro Jahr.

Die Rendite selbst ist dabei nicht die interessanteste Zahl. Entscheidend ist, wie Bitcoin zu dieser Rendite gekommen ist.

Bitcoin ist ruhiger geworden – aber noch immer eine andere Liga

Schwankungen treten meist in Phasen auf. Auf ruhige Zeiten folgen häufig weitere ruhige Zeiten, während unruhige Märkte länger unruhig bleiben. Wenn Bitcoin tatsächlich ruhiger wird, sollte sich das in der rollierenden Schwankung zeigen.

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Rollierende 60-Tage-Schwankung, auf ein Jahr hochgerechnet, für Bitcoin und den S&P 500.

Genau das ist zu erkennen. Die mittlere rollierende Schwankung fällt von 52,9 % in der ersten Hälfte des Zeitraums auf 43,2 % in der zweiten Hälfte. Über den gesamten Zeitraum lag Bitcoins annualisierte Schwankung bei 45,6 %.

Der Vergleich mit Aktien macht die Größenordnung deutlich. Der S&P 500 liegt derzeit bei rund 14 %. Bitcoin ist damit etwa ein Fünftel ruhiger als vor zwei Jahren, schwankt aber noch immer ungefähr dreimal so stark wie der Aktienmarkt.

Für ein Depot ist das relevant. Eine Position, die dreimal so stark schwankt wie ein Indexfonds, kann das Gesamtrisiko deutlich stärker beeinflussen, als ihr Anteil am Depot vermuten lässt.

Auch die Rückschläge erzählen dieselbe Geschichte. Bitcoins größter Rückgang vom Hoch zum Tief betrug im betrachteten Zeitraum −53,0 % und wurde Ende Juni 2026 erreicht. Beim S&P 500 waren es −19,0 %.

Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Erholung. Nach einem Verlust von 53 % muss Bitcoin um rund 113 % steigen, um das alte Hoch wieder zu erreichen. Nach einem Verlust von 19 % braucht der S&P 500 dafür rund 23 %.

Bitcoin bewegt sich eher mit Aktien als mit Gold

Die Schwankung ist aber nur ein Teil der Frage. Ebenso wichtig ist, wie sich Bitcoin bewegt, wenn andere Märkte steigen oder fallen.

Es gibt zwei verbreitete Sichtweisen auf Bitcoin. In der einen ist er digitales Gold, eine Anlage, die sich unabhängig von traditionellen Märkten bewegt. In der anderen ist er eine risikoreiche Position, die mit der Risikobereitschaft der Anleger steigt und fällt, ähnlich wie Technologieaktien.

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Rollierende 90-Tage-Korrelation der Tagesrenditen: Bitcoin gegenüber dem S&P 500 und Gold.

Über den gesamten Zeitraum liegt Bitcoins Korrelation mit dem S&P 500 bei 0,42 und mit dem Nasdaq 100 bei 0,41. Mit Gold beträgt sie dagegen nur 0,14. Bitcoin bewegte sich in diesem Zeitraum also etwa dreimal so eng mit Aktien wie mit Gold.

Der Durchschnitt verdeckt allerdings einiges. Die rollierende Korrelation mit Aktien lag zwischen 0,24 und 0,59, die mit Gold zwischen −0,04 und 0,51. Im jüngsten 90-Tage-Fenster hat sich das Verhältnis sogar umgedreht: 0,51 zu Gold gegenüber 0,28 zum S&P 500.

Ob daraus ein dauerhafter Regimewechsel wird, lässt sich aus einem einzelnen 90-Tage-Fenster nicht ableiten. Die Daten zeigen aber, dass Bitcoin keine stabile Beziehung zu einem bestimmten anderen Markt hat.

Noch aussagekräftiger ist die Frage, was an besonders schlechten Börsentagen passiert. An den 20 schlechtesten Tagen des S&P 500 im betrachteten Zeitraum verlor der Index durchschnittlich 2,64 %. Bitcoin verlor an denselben Tagen im Mittel 3,05 % und schloss an 80 % dieser Tage ebenfalls im Minus. Gold legte dagegen durchschnittlich 0,06 % zu.

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Durchschnittliche Tagesrendite an den 20 schlechtesten Tagen des S&P 500.

So verhält sich keine Absicherung. Gerade an den Tagen, an denen ein Depot am stärksten unter Druck stand, bewegte sich Bitcoin meist in dieselbe Richtung und verstärkte den Verlust leicht. Gold entwickelte sich an diesen Tagen anders.

Bitcoin ist damit zwar etablierter geworden, aber die Daten zeigen ihn nicht als Diversifikation im üblichen Sinn. Im betrachteten Zeitraum verhielt er sich eher wie eine risikoreiche Position, deren Entwicklung eng mit der allgemeinen Risikobereitschaft verbunden war.

Im Kryptomarkt selbst ist Bitcoin der etablierte Wert

Die dritte Veränderung wird sichtbar, wenn man auf Bitcoins Platz innerhalb des Kryptomarktes schaut.

Von den 103 Coins, die zu Beginn des Fensters bereits handelbar waren, entwickelten sich nur 8, also 7,8 %, besser als Bitcoin. Betrachtet man stattdessen alle 309 Coins mit mindestens 400 Tagen Historie, liegt der Wert bei 2,9 %. Dieser Vergleich ist allerdings weniger aussagekräftig, weil später gestartete Coins über eine kürzere Strecke gegen Bitcoin antreten.

Ein ähnliches Bild zeigt der Altcoin-Season-Index . Er misst, wie viele der 50 größten Coins Bitcoin über 90 Tage übertreffen. Am 4. September 2026 stand er bei 37 von 100. In den 696 Tagen bis dahin gab es 5 Altcoin-Phasen mit zusammen 26 Tagen, gegenüber 36 Bitcoin-Phasen mit zusammen 250 Tagen.

Bitcoin führte den eigenen Markt damit an fast zehnmal so vielen Tagen an wie die übrigen großen Coins.

Das bedeutet nicht, dass Bitcoin sicher geworden ist. Es zeigt vielmehr, dass Bitcoin innerhalb des Kryptomarktes zunehmend die etabliertere Position einnimmt.

Was diese Daten nicht beantworten können

Die wichtigste Einschränkung ist der betrachtete Zeitraum.

Zwei Jahre und zwei Monate enthalten einen größeren Rückgang und eine Erholung. Sie enthalten aber keinen vollständigen Halving-Zyklus und keinen mehrjährigen Bärenmarkt. Unsere Bitcoin-Kurse reichen bis 2017 zurück, unsere täglichen Aktiendaten jedoch nicht. Ein Vergleich mit 2017 oder 2021 unter denselben Bedingungen ist deshalb nicht möglich.

Das ist wichtig. Wer behaupten möchte, dass Bitcoins Schwankung langfristig sinkt, braucht eine deutlich längere Datenreihe. Wir können nur zeigen, dass die Schwankung innerhalb dieses Zeitraums zurückgegangen ist.

Zwei weitere Einschränkungen kommen hinzu. Erstens berücksichtigt der Vergleich mit anderen Coins nur solche, die noch gehandelt werden. Die 7,8 % bilden verschwundene Konkurrenz daher nicht ab. Zweitens ist eine Korrelation von 0,42 nur ein Durchschnitt. Die rollierende Korrelation hat sich im Zeitraum deutlich bewegt. Ein Depot, das allein auf diesem Durchschnitt aufbaut, rechnet deshalb mit einem Zusammenhang, der oft anders aussah.

Die kurze Antwort

Bitcoin ist normaler geworden, aber nur bis zu einem gewissen Grad.

Die Schwankung ist gegenüber vor zwei Jahren zurückgegangen, Bitcoin ist innerhalb des Kryptomarktes etablierter, und seine Rolle im Depot lässt sich klarer beschreiben.

Gleichzeitig schwankt Bitcoin noch immer etwa dreimal so stark wie der Aktienmarkt. Der größte Rückgang war fast dreimal so tief wie beim S&P 500. Und an den schlechtesten Börsentagen fiel Bitcoin meistens ebenfalls.

Was das für ein Depot bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung. Bei einer annualisierten Schwankung von 45,6 % bringt ein Bitcoin-Anteil von 5 % etwa so viel Schwankung mit wie ein Anteil von 16 % am S&P 500, allein über die Volatilität betrachtet und ohne den Gleichlauf beider.

Die entscheidende Frage ist deshalb weniger, ob Bitcoin „erwachsen“ geworden ist. Wichtiger ist, wie viel zusätzliches Risiko ein bestimmter Bitcoin-Anteil in ein Depot bringt.

Daten und Methode

Datenbasis
cx:btc · 11.07.2024 bis 04.09.2026 · 786 Handelstage
  • Die Studie verwendet den Zeitraum vom 11. Juli 2024 bis zum 4. September 2026. Nur für dieses Fenster liegen uns Tageskurse für Bitcoin, S&P 500, Nasdaq 100 und Gold gemeinsam vor. Unsere Bitcoin-Reihe reicht weiter zurück, doch ohne Aktiendaten für diese Jahre lassen sich Korrelation und Stresstest dort nicht rechnen. Das Fenster umfasst etwas mehr als zwei Jahre und einen größeren Rückgang: genug für Schwankung und Korrelation, zu kurz für Aussagen über langfristige Marktzyklen.
  • Bitcoin handelt an jedem Tag, US-Aktien nur an rund 252 Tagen im Jahr. Deshalb wird die Schwankung bei Krypto mit 365 und bei Aktien mit 252 Tagen auf ein Jahr hochgerechnet; so bleiben beide vergleichbar.
  • Die Korrelationen sind Pearson-Korrelationen der Tagesrenditen an Tagen, an denen beide Märkte gehandelt wurden, über ein rollierendes 90-Tage-Fenster. Korrelationen der Kursniveaus werden nicht verwendet, weil zwei Anlagen gleichzeitig steigen können, ohne dass ihre Tagesrenditen eng zusammenhängen.
  • Der Vergleich innerhalb des Kryptomarktes berücksichtigt die 103 Coins, die zu Beginn des Fensters bereits handelbar waren. So wird jeder Coin über denselben Zeitraum gemessen. Bei allen 309 Coins mit mindestens 400 Tagen Historie entwickelten sich 2,9 % besser als Bitcoin. Dieser breitere Vergleich ist weniger aussagekräftig, weil später gestartete Coins weniger Zeit hatten. Vom Markt verschwundene Coins fehlen in beiden Zahlen.
  • Die Werte zur Altcoin-Saison sind auf den Stichtag der Studie, den 4. September 2026, geschnitten. Den aktuellen Stand zeigt die Werkzeugseite.

Alle Werte stammen aus unserer eigenen Kursdatenbank und werden von einem Skript im Repository erzeugt. Ein erneuter Lauf mit demselben Stichtag liefert dieselben Zahlen. Keine Anlageberatung.

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