Level 2 Muster & Indikatoren · Teil 2/9
Kerzen-Fortsetzungsmuster und die Doji-Familie
Nicht jedes Kerzenmuster kündigt eine Wende an. Ein großer Teil beschreibt entweder Unentschiedenheit oder die Fortsetzung dessen, was ohnehin läuft.
Die Doji-Familie

Ein Doji hat praktisch keinen Körper: Eröffnung und Schluss liegen auf demselben Niveau. Die Kerze sagt damit genau eine Sache – in dieser Periode hat sich nichts entschieden. Die Varianten unterscheiden sich nur in den Dochten:
- Standard-Doji: Dochte in beide Richtungen, ausgeglichen.
- Long-Legged Doji: sehr lange Dochte auf beiden Seiten. Viel Bewegung, kein Ergebnis – häufig an Wendepunkten und rund um Nachrichten.
- Dragonfly Doji: langer unterer Docht, kein oberer. Verwandt mit dem Hammer.
- Gravestone Doji: langer oberer Docht, kein unterer. Verwandt mit dem Shooting Star.
Der Doji ist der beste Beleg dafür, dass ein Kerzenmuster ohne Kontext leer ist. Nach einem langen Anstieg ist er ein Innehalten, in einer Seitwärtsphase ist er der Normalzustand. Die Kerze selbst sieht in beiden Fällen gleich aus.
Marubozu und Spinning Top

Der Marubozu hat keine oder fast keine Dochte: Eröffnung und Schluss liegen an den Enden der Spanne. Eine Richtung über die ganze Periode – die stärkste Form der Einigkeit, die eine einzelne Kerze ausdrücken kann.
Der Spinning Top ist das Gegenteil: kleiner Körper, Dochte auf beiden Seiten. Er sagt nichts über die Richtung, aber etwas über die Beteiligung – der Markt bewegt sich, ohne etwas zu entscheiden.
Serien

Three White Soldiers: drei kräftige Aufwärtskerzen in Folge, jede eröffnet innerhalb des Vorkörpers und schließt über dessen Hoch. Das Muster beschreibt eine Bewegung, die schrittweise steigt und breit getragen wird.

Three Black Crows ist das Gegenstück. Beide Serien haben denselben eingebauten Nachteil: Sobald sie erkennbar sind, ist ein erheblicher Teil der Bewegung bereits gelaufen. Sie sind Beschreibungen, keine Einstiegssignale.
Rising Three Methods

Ein echtes Fortsetzungsmuster: Eine große Kerze setzt die Spanne, mehrere kleine Gegenkerzen bleiben darin, dann bricht eine weitere große Kerze in Ausgangsrichtung darüber hinaus.
Entscheidend ist, dass der Rücksetzer die Spanne der ersten Kerze nicht verlässt. Er kostet Zeit, aber keinen Boden – genau das unterscheidet eine Verschnaufpause von einer Umkehr. Dasselbe Prinzip in größerem Maßstab heißt in der Chartlehre Flagge.
Einordnung
Fortsetzungsmuster werden seltener beschrieben als Umkehrmuster, obwohl sie häufiger vorkommen. Der Grund ist psychologisch, nicht statistisch: Eine Wende ist die bessere Geschichte. Für ein Depot ist der langweilige Fall meist der wertvollere, denn er beantwortet die Frage, ob man eine bestehende Position halten kann.
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Von der einzelnen Kerze zu Formationen über Wochen: die Umkehr-Chartmuster.