Level 3 KI im Trading · Teil 6/8
Kreuzvalidierung ohne Datenleck
Kreuzvalidierung ist das Standardwerkzeug, um zu prüfen, ob ein Modell verallgemeinert. An Finanzdaten liefert sie in ihrer üblichen Form systematisch zu gute Ergebnisse.
Warum k-fache Kreuzvalidierung leckt
Die übliche k-fache Kreuzvalidierung teilt die Daten zufällig in k Blöcke, trainiert auf k−1 davon und testet auf dem verbleibenden. Sie setzt Unabhängigkeit voraus.
Bei Kursdaten entstehen dadurch zwei Lecks:
Über die Labels. Ein Trainingsbeispiel kurz vor dem Testblock hat ein Label, das bis in den Testblock hineinreicht. Sein Ergebnis wird von denselben Kursbewegungen bestimmt wie die Testbeispiele. Das Modell hat einen Teil der Antwort bereits gesehen.
Über die Autokorrelation. Kurse benachbarter Zeitpunkte sind ähnlich. Ein Modell, das den Kurs vom Montag und vom Mittwoch kennt, kann den Dienstag beinahe raten, ohne irgendetwas Ökonomisches gelernt zu haben.
Das Ergebnis ist immer dasselbe: eine hervorragende Validierungsgüte und ein enttäuschender Live-Betrieb.
Purging und Embargo

Purging entfernt aus dem Training alle Beispiele, deren Label-Fenster sich mit dem Testfenster überschneidet. Damit endet das Leck über die Labels.
Embargo sperrt zusätzlich eine kurze Zeitspanne direkt nach dem Testfenster. Grund ist die Autokorrelation: Beispiele unmittelbar nach dem Test enthalten noch Information über dessen Ende, auch wenn sich ihre Label-Fenster formal nicht überschneiden. Üblich sind ein bis fünf Prozent der Datenlänge.
Beides zusammen kostet Trainingsdaten – bei zehn Blöcken schnell einen mittleren einstelligen Prozentsatz. Dieser Verlust ist der Preis dafür, dass die Kennzahl überhaupt etwas bedeutet.
Warum ein einzelner Testzeitraum zu wenig ist
Auch mit Purging bleibt ein Problem: Ein einzelner Aufteilungspfad liefert genau eine Kennzahl. Ob sie stabil ist oder von einer glücklichen Trennstelle abhängt, lässt sich daran nicht erkennen.
Die kombinatorische, gepurgte Kreuzvalidierung setzt hier an: Statt eines Testblocks dienen mehrere Blöcke in verschiedenen Kombinationen als Test. Daraus entstehen viele unterschiedliche Trainings- und Testpfade und damit eine Verteilung von Ergebnissen statt einer einzelnen Zahl.
Der Nutzen ist derselbe wie beim Monte-Carlo-Rechner für Portfolios: Man sieht die Bandbreite dessen, was bei gleicher Datengrundlage ebenso hätte herauskommen können. Eine Strategie, deren Sharpe Ratio je nach Aufteilung zwischen 0,2 und 1,8 schwankt, ist etwas ganz anderes als eine mit stabilen 0,9 – auch wenn beide im Mittel gleich aussehen.
Was bleibt
Selbst ein sauber gepurgtes Verfahren beantwortet nur die Frage, ob das Modell auf diesen Daten verallgemeinert. Es beantwortet nicht, ob der gefundene Zusammenhang morgen noch existiert, und es korrigiert nicht die Zahl der ausprobierten Varianten.
Genau diese zweite Frage ist der letzte und größte Fehler – und Gegenstand des nächsten Artikels.
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