Level 2 Muster & Indikatoren · Teil 7/9

MACD und Trendstärke

Der MACD verbindet zwei Ideen aus den vorherigen Artikeln: Er ist aus gleitenden Durchschnitten gebaut, verhält sich aber wie ein Oszillator.

Aufbau

Drei Bestandteile:

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Der MACD ist die Differenz zweier exponentieller Durchschnitte, die Signallinie deren Glättung. (1) Das Histogramm zeigt den Abstand beider Linien — es dreht, bevor sie sich kreuzen, und ist damit der schnellere, aber unruhigere Teil. (2) Der Nulldurchgang entspricht dem Kreuzen der beiden zugrunde liegenden Durchschnitte. Der MACD misst Veränderung von Schwung, nicht Kursniveau — dieselben Werte bedeuten bei ruhigen und volatilen Titeln Verschiedenes.

Weil die Linie eine Differenz ist, misst sie nicht das Kursniveau, sondern den Abstand zwischen kurzem und langem Durchschnitt – also die Veränderung von Schwung. Steigt sie, beschleunigt der Trend; fällt sie bei weiterhin steigenden Kursen, wird die Bewegung langsamer.

Die drei üblichen Lesarten

  1. Kreuzung mit der Signallinie. Das schnellste, aber auch unzuverlässigste Signal – in Seitwärtsphasen wechselt es ständig.
  2. Nulldurchgang. Entspricht dem Kreuzen der beiden zugrunde liegenden Durchschnitte. Träger und stabiler.
  3. Divergenz zum Kurs. Dieselbe Beobachtung wie beim RSI, mit denselben Einschränkungen.

Das Histogramm dreht vor den Linien und ist damit der schnellste, aber unruhigste Teil. Wer es als eigenständiges Signal nutzt, handelt im Wesentlichen die zweite Ableitung des Kurses – und die ist im Rauschen kaum von null zu unterscheiden.

Der Skalierungsfehler

Ein praktisch wichtiger Punkt, der in den meisten Beschreibungen fehlt: Der MACD ist nicht normiert. Sein Wert hängt vom Kursniveau und der Volatilität des Instruments ab. Ein MACD von 2,5 bedeutet bei einer Aktie mit Kurs 30 etwas völlig anderes als bei einem Index bei 18.000.

Daraus folgt: MACD-Werte sind zwischen Instrumenten nicht vergleichbar, und feste Schwellenwerte sind sinnlos. Vergleichbar ist nur der Verlauf innerhalb desselben Instruments.

ADX: Stärke ohne Richtung

Der Average Directional Index misst, wie stark ein Trend ist – ohne zu sagen, in welche Richtung er läuft. Werte unter etwa 20 gelten als trendlos, Werte über 25 als trendstark; die Grenzen sind Konvention, nicht Messung.

Der Nutzen liegt in der Filterung. Fast alle Indikatoren funktionieren entweder in Trends oder in Seitwärtsphasen, nie in beiden. Ein Stärkemaß beantwortet die vorgelagerte Frage, welcher der beiden Zustände gerade vorliegt – und damit, welches Werkzeug überhaupt anwendbar ist.

Die Einschränkung ist dieselbe wie überall: Der ADX steigt, nachdem ein Trend begonnen hat. Er bestätigt, er kündigt nicht an.

Die eigentliche Erkenntnis dieses Kapitels

Alle Indikatoren dieser Stufe – Durchschnitte, RSI, MACD, ADX – sind Funktionen derselben Kursreihe. Sie fügen keine Information hinzu, sie stellen vorhandene Information anders dar.

Daraus folgt zweierlei: Fünf Indikatoren im selben Chart erhöhen nicht die Sicherheit, sondern erzeugen scheinbare Bestätigung durch Größen, die stark miteinander korrelieren. Und: Kein Indikator kann etwas anzeigen, das nicht schon in der Kursreihe steckt. Die Frage ist deshalb nie, welcher Indikator recht hat, sondern welche Eigenschaft der Kursreihe man sehen will.

Wie stark verschiedene Instrumente und Größen tatsächlich zusammenlaufen, lässt sich messen – die Korrelationsmatrix macht genau das für Märkte.

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Ein Maß, das keine Richtung kennt und trotzdem praktisch unmittelbar nützlich ist: Volatilität.