Level 1 Charts lesen · Teil 4/7

Unterstützung und Widerstand

Kurse drehen nicht an zufälligen Stellen. Bestimmte Bereiche werden mehrfach getestet und halten – bis sie es nicht mehr tun. Diese Bereiche heißen Unterstützung (unterhalb des Kurses) und Widerstand (oberhalb).

Zonen, keine Linien

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(1) Unterstützung und (2) Widerstand sind Zonen, keine Linien — der Kurs dreht mehrfach in einem Band, nicht auf einem Punkt. (3) Nach dem Ausbruch wird der alte Widerstand von unten getestet und hält: dieser Rollentausch ist die eigentliche Beobachtung, nicht die Linie selbst.

Ein Kurs dreht nie exakt auf demselben Wert. Er dreht in einem Band. Wer eine Unterstützung als exakte Linie einzeichnet, produziert zwei Fehler zugleich: Er sieht “Fehlausbrüche”, wo lediglich das Band ausgeschöpft wurde, und er platziert Stops genau dort, wo das Rauschen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit erwischt.

Praktisch: Die Zone reicht vom niedrigsten Docht bis zum höchsten Körperschluss der beteiligten Kerzen. Je öfter sie getestet wurde und je mehr Zeit dazwischen lag, desto relevanter ist sie.

Der Rollentausch

Die aussagekräftigste Beobachtung dieses Kapitels ist der Rollentausch: Ein gebrochener Widerstand wird häufig zur Unterstützung, eine gebrochene Unterstützung zum Widerstand. Im Chart oben passiert genau das nach dem Ausbruch.

Der Grund ist marktmechanisch, nicht mystisch. Am alten Widerstand haben Marktteilnehmer verkauft, weil sie dort ein Hoch erwarteten. Steigt der Kurs darüber, ändert sich für dieselben Teilnehmer die Bewertung: Wer verkauft hat, will zurück; wer gekauft hat, verteidigt seinen Einstand. Beides erzeugt Nachfrage genau in diesem Bereich.

Woher die Bereiche kommen

Drei Quellen erklären den Großteil:

Selbstbezug und seine Grenze

Unterstützung und Widerstand sind teilweise selbsterfüllend: Sie wirken, weil viele Teilnehmer sie beachten. Das ist kein Einwand – es ist die Erklärung. Der Effekt hat aber eine natürliche Obergrenze: Sobald genug Kapital darauf setzt, wird der Bereich zum Ziel für die Gegenseite. Deshalb sind die berühmtesten Marken zugleich die unzuverlässigsten.

Wenn eine Zone bricht

Ein Bruch ist nicht automatisch ein Signal. Zu unterscheiden sind:

Was passiertWoran erkennbar
AusbruchKurs verlässt die Zone und bleibt draußenFolgekerzen halten das Niveau, oft erhöhtes Volumen
FehlausbruchKurs verlässt die Zone und kehrt zurückschneller Rückfall, meist langer Docht
TestKurs berührt die Zone von außen und drehtRollentausch, siehe oben

Die Unterscheidung ist im Nachhinein trivial und im Moment schwierig. Genau deshalb braucht jede Entscheidung an einer Zone eine vorher festgelegte Grenze, ab der sie widerlegt ist – das Thema des Risiko-Artikels dieser Stufe.

Weiterlesen

Ob ein Ausbruch getragen wird oder nicht, lässt sich am Handelsvolumen ablesen. Das ist der nächste Artikel.