Level 3 KI im Trading · Teil 1/8

Warum maschinelles Lernen an Märkten scheitert

Maschinelles Lernen ist in vielen Feldern erfolgreich, weil dort Annahmen gelten, die an Finanzmärkten verletzt sind. Wer die Verfahren unverändert auf Kursdaten anwendet, bekommt zuverlässig Modelle, die im Rückblick brillant aussehen und im Betrieb nichts leisten.

Dieser Teil des Kurses folgt in der Struktur der Forschungsliteratur zu Financial Machine Learning, insbesondere den Arbeiten von Marcos López de Prado (Advances in Financial Machine Learning, Vorlesungsreihe ORIE 5256, und The 7 Reasons Most Machine Learning Funds Fail). Die Verfahren werden hier in eigenen Worten und mit eigenen Grafiken erklärt.

Die Ausgangslage

Ein Bilderkennungsmodell arbeitet mit unabhängigen Beispielen, klaren Labels und einem stabilen Zusammenhang: Eine Katze bleibt eine Katze. Finanzdaten bieten nichts davon.

Die typischen Fehlerquellen

Der Einzelkämpfer. Eine Person soll Daten beschaffen, Merkmale bauen, Modelle trainieren, Backtests laufen lassen und handeln. In jeder anderen quantitativen Disziplin wäre das undenkbar. Die Alternative ist Arbeitsteilung nach Stationen – Datenaufbereitung, Merkmalsanalyse, Strategiekonstruktion, Backtesting –, in der niemand allein eine Idee bis zum Einsatz durchreicht.

Der Backtest als Forschungswerkzeug. Wird der Backtest benutzt, um eine Strategie zu finden statt sie zu prüfen, ist das Ergebnis wertlos. Jede Iteration verbraucht Testdaten. Nach hundert Durchläufen ist der Testzeitraum vollständig verbraucht, ohne dass es jemand bemerkt hätte.

Chronologisch falsches Aufteilen. Die übliche zufällige Kreuzvalidierung setzt unabhängige Beobachtungen voraus. Bei Kursreihen leckt dabei Information aus der Zukunft in das Training – ausführlich im Artikel zur Kreuzvalidierung .

Feste Zeitfenster als Stichprobe. Ein Datenpunkt pro Stunde behandelt eine ruhige Nachtstunde wie eine Stunde mit Notenbankentscheidung. Die resultierenden Renditen sind stark nicht-normalverteilt – siehe Daten und Bars .

Falsche Labels. “Steigt der Kurs in zehn Tagen?” ignoriert, was dazwischen passiert. Ein Pfad, der zwischenzeitlich weit unter den Stop fällt, ist in der Praxis ein Verlust – im Label ein Gewinn.

Ignorierte Überlappung. Wenn ein Label zehn Perioden in die Zukunft reicht, überlappen sich benachbarte Beispiele zu 90 Prozent. Ein Modell, das diese als unabhängig behandelt, hält Wiederholungen für Bestätigung.

Verschwiegene Versuchszahl. Wer zwanzig Varianten testet und die beste berichtet, berichtet ein Maximum. Wie stark das die Kennzahlen verzerrt, zeigt der Artikel zu Backtest-Overfitting .

Was daraus folgt

Kein einzelner Trick repariert das. Die restlichen Artikel dieser Stufe behandeln je eine dieser Fehlerquellen und das Verfahren, das die Forschung dagegen entwickelt hat:

ProblemVerfahren
Ungleiche Informationsdichteaktivitätsbasierte Bars
Trend vs. Stationaritätfraktionale Differenzierung
Unbrauchbare LabelsTriple-Barrier, Meta-Labeling
Überlappende BeispieleStichprobengewichte, Uniqueness
Datenleck bei der ValidierungPurging und Embargo
Zu viele VersucheDeflated Sharpe Ratio, PBO

Die realistische Erwartung dabei: Diese Verfahren machen ein schlechtes Ergebnis nicht gut. Sie machen sichtbar, dass es schlecht ist – bevor echtes Geld darauf gesetzt wird. Das ist der eigentliche Gewinn.

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Beginnend bei der Grundlage: Wie man aus einer Kursreihe überhaupt eine sinnvolle Stichprobe macht.