Level 2 Muster & Indikatoren · Teil 3/9
Umkehr-Chartmuster
Umkehrformationen erstrecken sich über Wochen bis Monate. Anders als Kerzenmuster beschreiben sie nicht ein Kräfteverhältnis, sondern einen Prozess: Eine Trendbewegung verliert schrittweise die Fähigkeit, neue Extreme zu erzeugen.
Schulter-Kopf-Schulter
Drei Hochs, das mittlere am höchsten. Die Verbindungslinie der beiden Zwischentiefs heißt Nackenlinie.
Der entscheidende Punkt wird oft übersehen: Die Formation ist erst mit dem Bruch der Nackenlinie vollständig. Vorher liegt eine Kursbewegung mit drei Bergen vor, und die kommt in jedem Chart ständig vor. Wer vor dem Bruch handelt, handelt eine Vermutung über eine unfertige Form.
Das rechnerische Kursziel entspricht dem Abstand zwischen Kopf und Nackenlinie, vom Bruchpunkt nach unten abgetragen. Diese Regel ist eine Faustformel aus der Lehrbuchtradition, keine gemessene Größe – sie liefert eine Größenordnung, keine Prognose.
Am Boden dieselbe Formation umgekehrt. Bodenformationen brauchen meist mehr Zeit als Topformationen: Panik läuft schnell ab, Vertrauen baut sich langsam auf. Diese Asymmetrie ist eine der robustesten Beobachtungen der Charttechnik.
Doppeltop und Doppelboden
Zwei Hochs auf annähernd gleichem Niveau. Bestätigt ist die Formation nicht durch das zweite Hoch, sondern durch den Bruch des Zwischentiefs – erst dann ist die Struktur aus höheren Tiefs verletzt.
Am Boden entsprechend. Wichtiger als die exakte Gleichheit der beiden Extreme ist der zeitliche Abstand dazwischen: Zwei Tiefs, die eine Woche auseinanderliegen, sind ein Detail; zwei Tiefs im Abstand von zwei Monaten markieren eine Zone, die zweimal unabhängig gehalten hat.
Dreifachformationen funktionieren nach derselben Logik. Statistisch sind sie seltener – nicht, weil der Markt sie meidet, sondern weil eine Zone, die zweimal gehalten hat, häufig beim dritten Versuch bricht.
Runder Boden
Kein Wendepunkt, sondern eine Drehung: Der Abwärtsdruck lässt nach, der Kurs läuft flach aus, die Erholung setzt allmählich ein. Handelbar wird die Form erst mit dem Ausbruch über den Rand.
Runde Böden brauchen Zeit – typischerweise Monate. Auf kurzen Zeitrahmen findet man sie nur, indem man sie hineinliest; die Form ist glatt genug, dass fast jede Kursreihe irgendwo dazu passt.
Was Umkehrformationen leisten
Sie liefern drei brauchbare Dinge: eine Marke (die Nackenlinie beziehungsweise das Zwischenextrem), eine Widerlegung (Rückkehr in die Formation) und eine Größenordnung (die Formationshöhe).
Was sie nicht liefern, ist eine Eintrittswahrscheinlichkeit. Die publizierten Trefferquoten aus Musterbüchern stammen fast durchgehend aus visuell ausgewählten Beispielen ohne saubere Basisrate. Wie man eine solche Zahl tatsächlich ermittelt, steht am Ende dieser Stufe unter Muster prüfen .
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Die Gegenseite: Formationen, die eine Pause im Trend beschreiben statt seines Endes.